Auf den Spuren des Kakaos – Reisebericht Teil 1

Auf den Spuren des Kakaos

Reisebericht Teil 1: Der peruanische Rohkakao aus dem Amazonasgebiet

Rohkakao Masse für Kakaozeremonien

In diesem Blogeintrag möchte ich euch auf eine kurze Reise nach Peru einladen – genauer gesagt in das Amazonasgebiet um Pucallpa. Dort angekommen möchte ich zunächst unsere Partner vorstellen, um euch dann die Anbaumethoden für unseren kräftigen, nachhaltigen und biologischen Kakao vor Ort zu schildern…

From tree to bar!

Unsere peruanischen Freunde und Partner aus Peru sind Experten in Nachhaltigkeit und wahre Organisationstalente: vom Anbau bis zur Veredelung, vom Amazonas bis in die Anden, kommt alles aus einer Hand. Eben: from tree to bar!

Bereits seit einigen Jahren arbeiten wir mit unseren peruanischen Partnern zusammen. Nachdem unser letzter Besuch schon eine Weile zurück liegt, habe ich bei meiner Reise durch Südamerika die Chance genutzt, sowohl den Kakaoanbau im Amazonasgebiet als auch die Kakaoverarbeitung in Cajamarca zu besichtigen.

Als ich in Pucallpa im Amazonasgebiet ankomme, spüre ich als erstes die enorme Kraft der Natur. Die Luft vibriert geradezu vor Energie… das zeigt sich auch daran, dass die Luft enorm heiß und schwül ist. Ich bin dankbar, dass ich von Marcela und Jabin so gut empfangen werde und wir direkt aus der Stadt in Richtung der Kakaofarmen fahren. Die Landschaft um uns herum wird immer wilder und dichter bewachsen, denn wir befinden uns am Rand des Amazonas, dem größten Regenwald der Erde.

Jabin, der mein Ansprechpartner vor Ort ist und den Kakaoanbau in der Region seit Jahren begleitet, erklärt mir, wie der Kakaoanbau vor Ort organisiert ist und welche Besonderheiten es hier zu berücksichtigen gibt. Der biologische Kakaoanbau um Pucallpa ist zum Großteil durch kleinbäuerliche Strukturen geprägt. Unsere Partner haben vor Ort ein Team aus Technikern, welche die Farmer in ökologischen Anbaumethoden, Fermentation und Trocknung beraten und schulen. Gleichzeitig kümmert sich das Team um die Logistik – sprich die Abholung der fermentierten und getrockneten Kakaobohnen. Sie übernehmen somit die Funktionen, welche in anderen Gebieten Südamerikas häufig durch Kooperativen ausgeführt werden. Sie sind das Bindeglied zwischen den Kakaobauern, der Produktion und der Vermarktung.

Ganz grob umrissen haben die Kleinbauernfamilien zwischen 1 und 10 Hektar Land, welches sie eigenverantwortlich bewirtschaften. Wichtig für unsere Partner ist dabei, dass ökologische und soziale Standards beachtet werden und die Qualität der Produkte stimmt. Der Kakao ist für die Farmer in der Region, welche mit unseren Partnern zusammenarbeiten, die Haupteinnahmequelle. Die Familien übernehmen dabei neben dem Anbau noch die Verantwortung für den Fermentations- und Trocknungsprozess (zu diesen Prozessen erfahrt ihr in einem unserer nächsten Blogbeiträge mehr). In allen Schritten werden sie dabei immer wieder unterstützt und geschult, so dass sich die Qualität des Kakaos kontinuierlich verbessert.

Besonders bei Rohkakao spielt die Qualität des Ausgangsmaterials – also der Kakaobohne – eine entscheidende Rolle. In den allermeisten Fällen werden die Kakaobohnen geröstet. Dabei entstehen bestimmte Röstaromen, welche dem Kakao ein schokoladiges Aroma verleihen. Durch die Röstung verliert der Kakao jedoch auch Vitalstoffe und seine geschmacklichen Charakteristika. Wir sind dagegen auf der Suche nach charakterstarkem und vitalisierendem Kakao – und dafür brauchen wir Kakaobohnen besonderer Qualität. Eine große Herausforderung, vor der wir und unsere Partner immer wieder stehen, ist, den Farmern die Vorteile von hocharomatischen Kakaosorten zu erklären. Leider hat der weltweite Anstieg der Kakaonachfrage dazu geführt, dass immer mehr Bauern auf schnellwachsende und ertragsreiche Hybride wie den CCN51 umsteigen. Dieser Kakaohybrid erzielt einen quantitativ höheren Ertrag. Leider ist er geschmacklich für Rohkakao nicht zu gebrauchen. Gleichzeitig führt der Anbau von CCN51 auch zu einer Verarmung der Biodiversität, da es sich um einen auf Monokulturanbau getrimmten Klon handelt. Für viele Bauern, welche häufig in Armut leben, ist es jedoch dennoch verlockend schnell hohe Erträge zu erzielen. Ein neues Programm unserer Partner zielt darauf ab den Farmern nun für die langsamer wachsenden „Cacao Aromatico“ 2 Soles/kg (ca. 50 Cent) mehr zu bezahlen. Zusammen mit den andauernden Schulungsprogrammen wird so ein langfristiges Verhältnis aufgebaut und die Qualität stetig verbessert. Ein weiterer Punkt, der für unsere Partner enorm wichtig ist, ist auf die jeweiligen Bedürfnisse der Farmer vor Ort eingehen zu können. Daher gibt es in dem Amazonasgebiet unterschiedliche Anbaumethoden, welche den natürlichen, sozialen und ökologischen Besonderheiten gerecht werden. Im Folgenden werde ich euch von drei unterschiedlichen Konzepten bei drei Bauern berichten.

Anbaumethoden: von Mischkulturen und Agroforestry

Nach ca. einer Stunde auf dem Highway, biegen wir auf eine der typischen Dirtroads, eine unbefestigte Straße, ab. Nach einigen Minuten kommen wir zu unserem ersten Stopp – der Farm von Bauer José Isuiza.

José ist direkt, herzlich und vital. Er scheint sich aufrichtig zu freuen, dass wir den langen Weg auf uns genommen haben, um seine Kakaobäume zu besuchen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, ist es dann endlich soweit und wir ernten gemeinsam eine der frischen und verheißungsvollen Kakaopods. Mein Gaumen freut sich schon enorm auf das weiße, saftige und erfrischende Fruchtfleisch, welches die Kakaobohne umhüllt. Es ist immer wieder ein Geschmackserlebnis frische Kakaofrüchte zu ernten und zu probieren. Während ich das weiße Fruchtfleisch und den Saft auf meiner Zunge schmelzen lasse, fällt es mir schwer den Erklärungen von Jabin und José zu folgen… zu erfrischend ist der zitrusartige und fruchtige Geschmack.

José Isuiza beim Zerteilen eines Kakaopods

Gerade in der extrem heißen und schwülen Umgebung erscheint mir diese Frucht einmal mehr als wundervolles Geschenk der Natur. Ich bin mal wieder erstaunt über die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Kakaos. Bauer José hat auf 5 Hektar 5 unterschiedliche Kakaovarietäten – allesamt hocharomatische Sorten und jede für sich eine Besonderheit.

Doch nun zu den Anbaumethoden:

Ökologisch-effizient: so würde ich die Anbaumethode von José beschreiben. Die Kakaobäume wachsen hier mit wenigen schattenspenden Bäumen zusammen. Der Grad der biologischen Durchmischung ist relativ gering. Dafür werden die Bäume durch eine intelligente Blattschnitttechnik so beschnitten, dass das Zusammenspiel von Sonne, Luftzirkulation und eigener Beschattung zu einem starken Wuchs und somit zu einem hohen Ertrag führt. Gleichzeitig beugt die Luftzirkulation Pilzerkrankungen und Insektenbefall vor. Insgesamt führt das intelligente Zusammenspiel von Mensch und Natur zu einer sehr starken Produktivität. Diese wiederum ist ein wichtiges Argument, um Kakaobauern zum ökologischen Anbau zu bewegen. Diese Anbaumethode schlägt somit die Brücke zwischen den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedürfnissen, ist für uns jedoch nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen Kakao.

Die „Las tres hermanos“ und ich

Unsere Reise durch die Kakaowelten im Amazonas führt uns über weitere Dirtroads tiefer in den Dschungel. Bis wir in einem kleinen Örtchen ankommen und Hugo Vasquez und seine beiden Brüder einsammeln. Gemeinsam fahren wir zu ihren Kakaofeldern. Die 10 Hektar der als „Los tres Hermanos“ bekannten Brüder liegen in einer atemberaubenden Vielfalt…erst auf den zweiten Blick erkennt man von außen, dass wir uns bei einer Kakaoplantage befinden.

Mischkultur: Bei den „Los tres Hermanos“ wachsen die Kakaopflanzen gemeinsam mit Bananen, Avocados und vielen weiteren Bäumen. Dennoch sind die Reihen der Kakaobäume klar strukturiert. Die Kakaobäume profitieren hier von einer partiellen Beschattung durch die höher wachsenden Baumarten. Gleichzeitig liefert die höhere Biodiversität wichtige Beiträge bezüglich des Nährstoffkreislaufes: das Laub der Bäume fällt auf den Boden und wird dort innerhalb kürzester Zeit durch natürliche Zersetzungsprozesse abgebaut und die Nährstoffe den Pflanzen zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig leben insgesamt wesentlich mehr Vögel, Insekten und Kleinstlebewesen in den Mischkulturen und tragen zu einem Gleichgewicht in diesem ökologischen System bei. Dies hilft dabei übermäßige Schädlingspopulationen zu vermeiden und die Kakaobäume gesund zu halten. Auch in dieser Anbaumethode können sehr hohe Erträge erzielt werden. Der Kakao ist in diesen Fällen die einzige „Cashcrop“ (Ertragsfrucht) – die Bananen etc. werden entweder für den Eigenbedarf verwendet oder den Tieren überlassen. Gerade für kleinbäuerliche Strukturen können diese Mischkulturen zur Ernährungssouveränität beitragen. Bricht beispielsweise der Preis für den Kakao ein, haben die Farmer immerhin noch die Feldfrüchte, welche zwischen den Kakaopflanzen wachsen, zum Eigenverzehr.

Hugo und seine Brüder entwickeln auf einem Hektar eine Anbaumethode die mein Herz höherschlagen lässt: Agroforestry. Dieses Modell sehen wir auch bei der letzten Farm, die wir an diesem Tag besuchen. Nach einer weiteren Fahrt durch den Dschungel und kleine Dörfer, wo die Ziegen und Hühner aufgeregt zwischen sehr entspannt wirkenden Menschen umherwuseln, kommen wir zu der Farm von Seclén Guerra. Dort angekommen wundere ich mich zunächst über einen brennenden Baum, der am Eingang der Farm wie eine Fackel mitten im Wald steht, aber ich scheine der einzige zu sein, den das irritiert. Mit Seclén als Guide machen wir uns auf zu seiner Kakaoparzelle – hierfür laufen wir 15 Minuten über enge und fast zugewucherte Pfade durch eine absolut fantastische, wilde und vielfältige Landschaft. Es ist fast als würden wir durch den natürlichen Dschungel laufen…

Zugang zum Feld von Seclén Guerra

Agroforestry: dabei werden neben dem Kakao gezielt weitere Nutzpflanzen angebaut. In dem Fall von Seclén und den Vasquez-Brüdern hauptsächlich Bäume, welche zur Gewinnung von Bauholz genutzt werden. Diese Bäume sind sehr hochwachsend und spenden den Kakaobäumen Schatten. Zwischen den Kakaobäumen finden sich vielerlei Früchte und Sträucher. Die bereits beschriebenen ökologischen Vorteile, die Mischkulturen mit sich bringen, treten hier noch viel deutlicher hervor. Die Plantage kommt dem natürlichen Vorkommen von Kakao am nächsten. Durch die enorm hohe Biodiversität profitieren alle Pflanzen voneinander… Seclén meint alles wächst hier so stark, dass die Hauptaufgabe darin besteht die Natur etwas zu zähmen, da sie sonst alles überwuchert. Ein weiterer ökologischer Vorteil ist die erhöhte Aufnahmefähigkeit von CO2 aus der Luft. Dieses wird von den Bäumen absorbiert und für das Zellwachstum im Holz verwendet, dort wird es gespeichert und gebunden. Dieser Faktor gewinnt durch die sich aktuell verstärkende Klimadebatte zunehmend an Bedeutung. Es wird immer offensichtlicher, dass Anbaumethoden mit einer hohen Artenvielfalt einer der wichtigsten Beiträge für effektiven Klimaschutz darstellen. Momentan wird an Modellen gearbeitet, welche Farmern, die sich dazu entscheiden Agroforstsysteme anzulegen, eine CO2 Prämie zu bezahlen. Dies ist für die Farmer ein guter Anreiz, da der Anbau von langsam wachsenden Holzarten zwar viel CO2 bindet, sich für die Farmer jedoch erst nach langer Zeit auszahlt.  Doch nicht nur auf der ökologischen, sondern auch auf der sozialen und ökonomischen Seite bietet die Agroforstmethode viele Vorteile. Durch den Anbau weiterer Nutzpflanzen reduziert sich die Abhängigkeit der Farmer von einer „Cashcrop“. Durch die Einkommensdiversifizierung entsteht eine neue Form der Souveränität und der Selbstbewusstheit. Wenn ihr mehr über die Agroforstmethoden und die vielen Vorteile lernen wollt schaut euch dieses kurze Video an.

Agroforstmethoden und Permakultur sind Stichwörter, die inzwischen in der sogenannten westlichen Welt immer populärer werden. Im Endeffekt werden diese Methoden von Kleinbauern seit Generationen angewendet – so wird altes Wissen wiederentdeckt und weiterentwickelt!

ökologisch-effizient

Anbau in geringer Mischkultur, dafür äußerst ertragreich. Intelligentes Zusammenspiel von Mensch und Natur.

Mischkultur

Der Kakao wird gemeinsam mit weiteren Kulturen angebaut, zum Beispiel mit Bananen und Palmen.

Agroforestry

Der höchste Grad an Biodiversität und die „natürlichsten“ Bedingungen für den Kakao.

Nach diesem langen Tag und den Entdeckungstouren durch die vielfältige und wilde Natur, werden wir mit einem Bild absoluten Friedens belohnt: ein herrlicher Sonnenuntergang über dem Regenwald und ein paar freilaufende Pferde, die uns neugierig und hoffnungsvoll anstupsen. Etwas müde und dennoch glücklich freue ich mich auf den eiskalten Rohkakao-Shake, den wir uns gleich zubereiten werden….

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